Johannes Nagel
vessels, perhaps

 Improvisorium                                                                           

Die Ausstellung im Kunstforum Solothurn ist eine Behauptung über das Improvisierte und Provisorische der Dinge. Die Wandarbeit „Kreis“ wird von dem ungefähr Runden aller Teile zusammengehalten. Bei den Arrangements vasenähnlicher Stillleben entsteht zwischen dem ungehobelten eine Art Harmonie. Die Serie „Kristallisation“ basiert auf einem zwiespältigen Prinzip: Das eine Gefäß/Objekt ergibt sich aus dem anderen durch eine Bearbeitung der Gießform. Ich zersäge diese Gießform in Etappen. Jeder Zustand wird abgegossen, die Serie entsteht aus der schrittweisen Auflösung des Prototypen. Das Sägen ist gleichzeitig Korrektur und Zerstörung der Form. Am Ende steht die Serie aufgereiht nebeneinander. Jeder Zustand ist zugleich abgeschlossen und ein Übergang – provisorisch und in sich endgültig.

David Pye sagt: „Jedes Ding, das wir konstruieren und herstellen, ist etwas Behelfsmäßiges, etwas Improvisiertes, etwas Unpassendes und Provisorisches“.

Bei den im Kunstforum Solothurn ausgestellten Arbeiten ist das Improvisierte und Provisorische ein ganz konkretes Thema. Die einzelnen Objekte sind in sich abgeschlossen, das Porzellan ist bemalt und gebrannt. Die meisten Objekte sind irgendwie Gefäße. Was sind sie noch? Der Versuch die Assoziationen zu verwirren, die Technik und Material hervorrufen oder die Erwartungen an das Weiss von Porzellan zu stören. Manchmal konstruktives Zusammensetzen, manchmal mutwillige Zerstörung, manchmal Vase, manchmal Fragment und entfremdetes Objekt.
Improvisiert ist der Umgang mit dem Material, die Art und Weise wie die Formen entstanden sind – gesägt, ausgegraben, gestapelt, gefunden und aufgemalt. Provisorisch wirken die Nähte, die Schnittstellen, die Farbkleckse und unvollständigen Malereien indem  sie vom fertigen Objekt auf den Moment der Bearbeitung verweisen. Nicht die Perfektion der endgültigen Formulierung ist das Ziel sondern die formulierte Idee über die Entwicklung der Dinge.

Was für eine Funktion haben Gefäße heute, was kann ihr Inhalt sein? Selten habe ich dabei an Blumen gedacht.